Dienstag, 13. Dezember 2016

Gast-Rezi "Der Pfau" von Isabel Bogdan

Moin ihr Lieben,

Irve liest hat sich wieder getraut und erzählt euch, was sie von "Der Pfau" hält.

Liebe Lauschfreunde,  

ich möchte euch ein gans fauntastisches, fasantievolles Hörbuch vorstellen. 

Selten habe ich beim Lauschen so oft so viel gelacht. Dabei ist die Geschichte eigentlich nichts besonderes. Eine Gruppe von Bankern verbringt zwecks Teambuilding-Fortbildung ein Wochenende auf dem Land.

Der Knackpunkt liegt hier in der Unterbringung, denn das Anwesen, in dessen Cottages die Mannschaft ihre Tage verbringt, ist alles andere als gewöhnlich – Schuld daran ist ein Pfau. Ein Pfau, der alles attackiert, was blau ist und ihm attraktiv genug zum Schnäbeln erscheint… 
 

Als es dem Hofherren zu bunt wird, beschließt er kurzerhand, den Pfau aus dem Weg zu räumen – jedoch: Er räumt offenbar nicht gut genug, denn es entspannt sich fortan eine herrliche Odyssee britischer Komödiantik, die eine Vielzahl verrückter, aber auch durchaus plausibler Verstrickungen nach sich zieht.

Die Autorin spinnt ein geniales Netz an schrulligen Charakteren, die mit den ihnen gegebenen Eigenschaften und Handlungsweisen eine Lawine an Absurditäten – stellenweise köstlich gewürzt mit schwarzem Humor – ins Rollen bringen.

An manchen Stellen kam ich aus dem Lachen nicht mehr heraus, wie dieser Trupp von Bankern sich in der freien Natur anstellte und fernab jeglicher technischer Hilfsmittel durchzuschlagen versuchte. Krasser hätte der Unterschied zu dem fast antiquarisch anmutenden Anwesen nicht gewählt sein können.

Schon die Geschichte rund um diese Banker wäre ein humoriger, schmunzeliger Genuss gewesen. Aber verwoben mit den Geschehnissen rund um den Störfall Pfau ist der Autorin ein charmantes Meisterwerk gelungen.

Die Charaktere handeln ein ums andere Mal very Britisch, wenn sie versuchen, die aufgetretenen Irritationen auszublenden, Contenance zu bewahren und in ihrer Reserviertheit und vornehmen Zurückhaltung bloß nicht zu viel ihres Wissens preiszugeben. Denn irgendwie hat fast jeder der Protagonisten etwas mit dem entledigten Pfau zu tun, oder glaubt es zumindest.

Die Krux ist, dass ich als Hörer jederzeit voll im Bilde war, die Charaktere aber nur jeweils Teile der Wahrheit kannten – und die war manchmal gar nicht so wahr wie vermutet, sondern eher ein Holzweg.

Sehr besonders ist für mich der Schreibstil Isabel Bogdans. Sie beschreibt häufig mit einem zwinkernden Auge und verwendet nicht ein einziges Mal die wörtliche, dafür reichlich indirekte Rede, was der Erzählung ein leicht verstaubtes, liebevolles Image verpasst.

Mit mehr als einer Träne im Knopfloch verabschiedete ich mich von dieser großartigen Geschichte. Sie wird von einem grandiosen Christoph Maria Herbst sehr amüsant und unterhaltsam dargeboten. Man ahnt den Schalk, der ihm beim Sprechen im Nacken saß. Man spürt den Spaß, den er beim Einlesen gehabt haben muss, wenn er von Absurdität zu Absurdität stolperte und mich begeistert mitriss. Er hatte keine Charaktere zu vertonen, fing aber teils schnodderig, teils oberlehrerhaft und mit vielen anderen Nuancen jede Stimmung perfekt ein und verpasste der Geschichte häufig und zielgenau einen leicht ironischen Hauch, was mich sehr begeisterte. Christoph Maria Herbst war ein absoluter Glücksgriff für diesen Roman!

„Der Pfau“ entspricht sicher nicht dem typischen Mainstream, konnte bei mir aber voll punkten!
Hier findet ihr ein kleines Interview mit Christoph Maria Herbst über dieses Hörbuch.

Inhalt
Ein charmant-heruntergekommener Landsitz in den schottischen Highlands, eine Gruppe Banker beim Teambuilding, eine schwungvolle Haushälterin mit gebrochenem Arm, Lord und Lady McIntosh, die das alles unter einen Hut bringen müssen, dazu jede Menge Tiere – und am Ende weiß keiner, was eigentlich passiert ist. Isabel Bogdan erzählt in ihrem ersten Roman pointenreich und überraschend von einem Wochenende, das ganz anders verläuft als geplant: Chefbankerin Liz und ihre vierköpfige Abteilung wollen in der ländlichen Abgeschiedenheit ihre Zusammenarbeit verbessern, werden aber durch das spartanische Ambiente und einen verrückt gewordenen Pfau aus dem Konzept gebracht. Lord McIntosh stoppt den Problem-Pfau auf rustikale Weise – und das führt zu urkomischen Verwicklungen.

Autorin
Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo. Sie lebt in Hamburg und arbeitet als Übersetzerin u.a. von Jane Gardam, Jonathan Safran Foer, Nick Hornby und als Autorin und Herausgeberin. 2011 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für Literatur, 2006 den für literarische Übersetzung. 2014 wurde sie zusammen mit Maximilian Buddenbohm zur Bloggerin des Jahres gewählt (wasmachendieda.de).

Sprecher
Christoph Maria Herbst, geboren 1966 in Wuppertal, verkörpert u. a. die Titelfigur in der Serie und im Kinofilm Stromberg und erhielt dafür den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis und sechsmal den Deutschen Comedypreis. Neben diversen Engagements am Theater und als Synchronsprecher (Willkommen bei den Sch’tis, Ritter Rost) spielte er in TV-Filmen (Kreutzer kommt) sowie in Kinoproduktionen (Der Wixxer, Hui Buh, Hände weg von Mississippi, 300 Worte Deutsch). Als Hörbuchsprecher hat Christoph Maria Herbst u.a. die Bestseller von Tommy Jaud, Ralf Husmann und Timur Vermes´ Er ist wieder da eingelesen sowie Klassiker wie Stefan Zweigs Schachnovelle und das BGB.

Quelle: Argon Verlag

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