Freitag, 14. November 2025

Rezension "Somna" von Becky Cloonan und Tula Lotay

In aller Kürze
[Werbung unbezahlt]
Story: Hexenverfolgung, Lust, gesellschaftliche Konventionen, Schuld - eine heiße Kombination
Spannung: steigert sich sukzessive
Charaktere: lebendig, realistisch
graphische Umsetzung: wundervolle Mischung der Zeichenstile

‘*‘ Meine Meinung ‘*‘
In den Zeiten der Hexenverfolgung erlebt Ingrid, die Frau eines Hexenjägers, am eigenen Leib, wie unberechenbar das Schicksal zuschlagen kann – wie schnell Angst in Denunziation umschlägt, wie rasch Lügen erzählt werden, um das eigene Leben zu retten, und wie leicht eigenes Verlangen zum Untergang führen kann.
Faszinierend ist, wie eindrucksvoll die unterschiedlichen Zeichenstile die verschiedenen Erzählebenen voneinander abheben. Becky Cloonan illustriert die Realität mit klaren, präzisen Linien – ihre Bilder wirken hart, kühl und von düsteren Farben geprägt: Schwarz, Braun und Grau dominieren.
Tula Lotay hingegen setzt die erotischen Traumszenen in betörend weichen, sinnlichen Bildern um. Hier herrscht ein leuchtendes Rot in allen Nuancen vor, kontrastiert von tiefem Schwarz – ein Spiel aus Leidenschaft und Schatten. Die Farbgebung verstärkt nicht nur die Atmosphäre, sie lässt die Emotionen der Figuren regelrecht aufglühen.
Im Verlauf der Geschichte werden die Übergänge zwischen Realität und Traum immer fließender, sodass man zunehmend ins Schwimmen gerät – was ist noch wirklich, was nur Begehren?
Besonders spannend ist Ingrids innerer Konflikt: Einerseits will sie den gesellschaftlichen Erwartungen genügen, andererseits zieht sie die Macht der Lust immer wieder in ihren Bann. Diese Szenen sind sinnlich, intensiv und mutig inszeniert – ich fand sie ausgesprochen heiß.
Auch heute noch wird Frauen ihre Lust und ihr Begehren allzu oft abgesprochen. Umso wichtiger ist es, dass Werke wie dieses das Thema offen aufgreifen – dass weibliches Verlangen sichtbar, besprechbar und letztlich selbstverständlich wird. Es ist höchste Zeit, die Lust aus der Scham-Ecke zu holen.
Abgerundet wird die Graphic Novel durch künstlerische Extras: Skizzen, Entwürfe und Beiträge von Kolleginnen und Kollegen, die spannende Einblicke in den Schaffensprozess geben.
Diese Graphic Novel ist ein sinnliches, grausames und zugleich wunderschönes Gesamtkunstwerk – eine künstlerische wie emotionale Wucht. Von mir gibt es dafür heiße 5 Lust-Sterne.

‘*‘ Klappentext ‘*‘
Vor dem erschreckenden Hintergrund der Hexenverfolgung in einem ruhigen englischen Dorf um 1600 verfolgt SOMNA den sinnlichen Ausbruch einer Frau aus der Enge ihrer puritanischen Welt. Ingrid ist unglücklich mit Roland verheiratet, dem Stadtvogt und obersten Hexenjäger, der zielstrebig versucht, die „Ketzer“ in ihrer Mitte zu beseitigen. Nachdem ein prominentes Stadtoberhaupt ermordet aufgefunden wird, bleibt niemand von Rolands tödlichem Kreuzzug verschont. Ingrid hat einen Verdacht, wer der wahre Mörder ist, aber während sie der Wahrheit auf die Spur kommt, wird sie selbst von einer schattenhaften Gestalt verfolgt. Ingrid findet heraus, dass sie sich zu dem ahnungsvollen Phantom auf eine Art und Weise hingezogen fühlt, der sie nicht widerstehen kann – hält dieser dunkle und verlockende Fremde vielleicht den Schlüssel zum Geheimnis in der Hand … oder wird er Ingrids Seele in den schwärzesten Kreis der Hölle verdammen?

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