Dienstag, 24. März 2026

Tag 1 - Interview mit Aurin von Aderhold

Was ist der außergewöhnlichste Ort, an dem du eine Idee für einen Plot, eine Szene, eine Figur hattest?

Der außergewöhnlichste Ort, an dem mich eine Idee traf, war eine Küstenstraße in Kroatien, mitten im Urlaub. Mein Mann und ich fuhren an einer Reihe von Plakaten vorbei, die ganze Schweine am Spieß als regionale Spezialität bewarben. Kein Symbol, kein abstrahiertes Bild, sondern ein aufgespanntes Tier, großformatig und öffentlich, als wäre es ein Freizeitangebot.
Ich setze mich seit vielen Jahren für Tierrechte ein und habe dabei zahlreiche Missstände gesehen. Bilder und Realitäten, die erschüttern und lange nachwirken. Mit schockierenden Aufnahmen aus der Massentierhaltung war ich daher bereits vertraut, ebenso mit der verstörenden Tatsache, wie sehr Menschen in solchen Systemen abstumpfen müssen, um darin funktionieren zu können. Doch hier war nichts verborgen. Es hing einfach am Straßenrand, dekorativ, akzeptiert, banal. Autos fuhren vorbei, niemand schien irritiert. Dieser Moment traf mich härter als vieles zuvor, weil er zeigte, wie vollständig Empathie aus dem Alltag verschwinden kann, wenn Gewalt zur Normalität geworden ist.

Es war kein einzelner Plot-Einfall und keine fertige Szene, sondern die Erkenntnis, dass das eigentlich Unheimliche nicht die Grausamkeit selbst ist, sondern ihre gesellschaftliche Akzeptanz und die Abstumpfung, die sie ermöglicht. Aus dieser Konfrontation entstand später das Fundament für Figuren, Konflikte und Handlung meines Buches.

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