Wie findest du die Balance zwischen Logik und Überraschung?
Ein guter Krimi braucht beides, aber wie vermeidest du, dass die Lösung zu offensichtlich
oder zu konstruiert wirkt?
Um die Balance zwischen Logik und Überraschung in meinen Krimis zu finden und zu vermeiden, dass die Lösung zu offensichtlich oder zu konstruiert wirkt, verlasse ich mich nicht auf den sogenannten "Pantsing"-Ansatz, bei dem die Geschichte sich einfach während des Schreibens entwickelt. Stattdessen setze ich auf sorgfältige Planung und die Todorow-Methode.
Diese Methode besagt, dass ein gelungener Krimi aus zwei
Geschichten besteht:
1. **Die verdeckte Geschichte der Tat:** Das ist die
erste Geschichte, die ich schreibe. Sie beschreibt chronologisch, wie der Täter
die Tat begangen hat, und beinhaltet alle Indizien und Hinweise. Ich erweitere dieses
Modell, indem ich für jeden Verdächtigen eine eigene "verdeckte Geschichte"
erstelle, um deren Rolle logisch zu begründen.
2. **Die offene Geschichte:** Das ist der Krimi, den
der Leser liest. Nachdem ich alle verdeckten Geschichten mit ihren Details, Indizien
und falschen Spuren sequenziell aufgereiht habe, mische ich diese Elemente und überlege
mir genau, in welcher Reihenfolge ich sie in der offenen Geschichte aufdecke.
Der Überraschungseffekt entsteht also dadurch, dass ich
die streng sequenziellen Ereignisse der verdeckten Geschichten neu anordne und strategisch
platziere, um den Leser zu verblüffen. Es muss dabei immer ein plausibles, logisches
Konstrukt sein, ohne einen "Deus Ex Machina", bei dem die Lösung plötzlich
und unerwartet auftaucht.

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