Freitag, 16. Januar 2026

Rezension "Was die Toten bewegt" von T. Kingfisher

In aller Kürze
Story: Der Notruf von einem Freund bringt Easton zum Stammsitz der Ushers und dort erlebt er den Pilzalbtraum par excellence.
Spannung: beginnt seicht und baut sich rasant auf
Charaktere: interessante Mischung abseits der Genderstereotypen
Sprecher: Carsten Wilhelm belebt alles und sorgt für Gänsehautfeeling
Schreibstil: locker-flockig

‘*‘ Meine Meinung ‘*‘
Vorab muss ich gestehen, dass ich das Original „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allan Poe nicht gelesen habe. Entsprechend kann ich nicht beurteilen, inwieweit sich Kingfisher an die Vorlage gehalten hat. Auf diesen Umstand geht die Autorin jedoch selbst im Nachwort ein, das sich als überraschend unterhaltsam erweist.
Nun zum Hörbuch:
Die Geschichte hat mir insgesamt gut gefallen. Wie bei Kingfisher üblich, beginnt sie eher ruhig, und aufgrund des detailreichen Worldbuildings dauert es eine Weile, bis die Handlung an Fahrt aufnimmt. Dabei wird jedoch eine zunehmend beklemmende und unheimliche Atmosphäre aufgebaut, die den eigentlichen Gruselfaktor ausmacht. Die allgegenwärtigen, unsichtbaren Sporen erzeugen ein latentes Bedrohungsgefühl – zumal das Szenario erschreckend plausibel wirkt und sich theoretisch ebenso in unserer eigenen Welt ereignen könnte.
Die Charaktere gewinnen vor allem durch pointierte Dialoge an Lebendigkeit. Der Humor ist trocken und stellenweise sehr schwarz. Besonders hervorzuheben sind Eastons Adjutant sowie die Mykologin Mrs. Potter. Letztere leidet unter der offenen Diskriminierung von Frauen, überzeugt jedoch durch ihren wachen Geist und ihre scharfzüngigen, klugen Kommentare.
Carsten Wilhelm hat allem Leben eingehaucht und die dunkle Stimmung in mein Ohr gelesen. Das Kopfkino lief auf Hochtouren und ich war mittendrin, im Hause Usher.
Leider bleibt aufgrund der kurzen Laufzeit des Hörbuchs von knapp fünf Stunden, beziehungsweise der lediglich 192 Seiten der Printausgabe, kaum Raum für eine tiefere Ausarbeitung der Figuren. Hier wurde spürbares Potenzial verschenkt, sodass die Charaktere insgesamt etwas zu flach bleiben.
Aus diesem Grund vergebe ich 4 Pilz-Sterne.

‘*‘ Klappentext ‘*‘
Eine packende und atmosphärische Neuerzählung von Edgar Allan Poes Klassiker „Der Untergang des Hauses Usher“. Als Alex Easton, ein Soldat im Ruhestand, die Nachricht erhält, dass seine Jugendfreundin Madeline Usher im Sterben liegt, eilt Alex augenblicklich zum Stammsitz der Ushers in der abgelegenen Landschaft Ruritaniens. Was Alex dort vorfindet, ist ein Albtraum aus Pilzwucherungen und besessenen Tieren, die einen dunklen, pulsierenden See umgeben. Madeline schlafwandelt und spricht nachts mit seltsamen Stimmen, und ihr Bruder Roderick wird von einer mysteriösen Nervenkrankheit heimgesucht. Mit Hilfe eines gefürchteten britischen Mykologen und eines verblüfften amerikanischen Arztes muss Alex das Geheimnis des Hauses Usher lüften, bevor es sie alle verschlingt.

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