Donnerstag, 26. Oktober 2017

Gedanken am Abend

Hallo ihr Lieben,

ihr wisst ja schon, dass ich täglich mit Bus und Bahn unterwegs bin und gern Menschen beobachte.
Seit einiger Zeit liegt mein Fokus auf den Sitzgewohnheiten von Frauen und Männern.
Die Tasche könnte Mann auf dem Schoß nehmen. Es ist deutlich zu erkennen, dass der alte Typ fast in der Mitte der Sitzbank sitzt.

Eins vorweg: auch wenn die Schilderungen überspitzt klingen (aber schaut euch noch mal das Foto an), ich erlebe sie täglich.

Variante 1
Mann steigt ein und setzt sich hin, als wenn der komplette 2’er Sitz ihm gehört, hübsch breitbeinig und raumgreifend. Setzt sich nun eine Frau neben ihn, weil sonst kein Platz mehr frei ist, macht sie sich schmal, quetscht sich, ohne ihn zu berühren, auf die Ecke der Sitzbank. Der Mann rückt keinen Millimeter beiseite.

Variante 2
Frau steigt ein und setzt sich auf einen der beiden Plätze. Nimmt den Raum ein, den der Platz von seiner Ergonomie her bietet. Mann steigt ein und flätzt sich breitbeinig auf den freien Platz neben der Frau. Er engt sie ein und sie macht sich wieder klein, er hat mehr Raum zur Verfügung.

Jetzt kommt Elena, ihres Sternzeichen „Quotenquerulantin“.
Variante 1
Ich nehme den Platz in Anspruch, den der Sitz mir bietet. Auch wenn das heißt, dass ich auf Tuchfühlung mit dem Typen gehen muss. Die meisten sind dann verwirrt und rücken wieder auf ihren Platz. Die ganz Hartgesottenen versuchen es zu ignorieren, jedoch ist ihnen die Tuchfühlung mit einem fremden Menschen bald so unangenehm, dass auch sie Platz machen.

Variante 2
Ich setze mich auf meinen Platz. Typ setzt sich neben mich und es kommt, da er sich ja breit macht, zu Körperkontakt. Den halte ich stur aus und siehe da, nach noch nicht mal einer Minute, rückt er ab und ich habe wieder meinen Raum.

Und nein, ihr Lieben, es sind nicht nur die Macho-Typen der Sorte „Jeans bis zu den Knien runtergezogen und „Ey, Digga“-Gelaber“. Es sind auch die Manager-Typen im Anzug.
Erst letztens setzt sich so einer morgens neben mich und packt seine Zeitung aus. Dies natürlich unter kompletter Ausnutzung seiner Flügelspanne. Okay, einmal kann ich noch verstehen. Beim 2. Mal habe ich einen grimmigen Blick nach links geworfen. Er war jedoch richtig stumpf und so kam es, wie es kommen musste, er hantierte ein drittes Mal mit seiner knisternden, raschelnden Zeitung vor mir rum. Da habe ich ohne Kommentar sein rechtes Handgelenk gepackt und es wortlos zu ihm nach links geschoben. Er guckte mich an, holte Luft, wahrscheinlich, um sich über mein Verhalten zu beschweren, und klappte den Mund wieder zu, als er meinen herausfordernden "Komm, sag was, Alter, wenn du dich traust"-Blick sah. Schade, ich war „well prepared“ für die verbale Auseinandersetzung.

In diesem Sinn, Ladies, nehmt den Platz in Anspruch, den ihr verdient - egal ob in den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Job, in Beziehungen  ... einfach im Leben.

Liebe Grüße
eure Elena