Sonntag, 11. April 2021

Interview mit J.S. Frank zu "Smash 99"

Arbeitest du zu Beginn der Story die Charaktere komplett aus oder ergänzt du sie im Laufe der Zeit, weil sich noch Facetten während der Handlung ergeben?
Was die Charaktere angeht: Das Stamm-Ensemble steht am Anfang schon fest mit allen Charakterisierungen. Beim Schreibprozess kommt es aber immer mal wieder vor, dass ich da neu justieren muss. In Folge 2 z. B. hatte ich die junge Kommissarin ursprünglich als Karrieristin angelegt, die sich im Verwaltungsapparat der Polizei hochschläft. Beim Schreiben und Interagieren mit den anderen Personen hat sich aber herausgestellt, dass sie viel zu selbstbewusst und selbstbestimmt ist, um so was zu machen.

Welche Stadt hattest du im Kopf? Es wird ja nie ein Name erwähnt.
Stadt? Gute Frage! Wie bei »RACHE« spielt die Serie auch in einer namenlosen Stadt. Ganz am Anfang war mal in der Diskussion, ob ich mir vorstellen könne, SMASH99 in einer Großstadt in den USA spielen zu lassen. Das war mir persönlich zu weit weg. Auch wäre u. U. der inflationäre Gebrauch und Missbrauch der Waffen in einem USA-Setting nicht mal sonderlich aufgefallen. In einem dystopischen Deutschland macht so was mehr her. Ich habe ursprünglich an Berlin gedacht - auch mal an Hamburg. Schon was mit Weltstadt-Flair. Auch die Idee, jede Folge in einer anderen Stadt spielen zu lassen, hatte was. Aber letztendlich sollte die Geschichte überall und nirgendwo stattfinden können … das fand ich am »charmantesten«.

Hast du dich mit Waffen und Kampfkunst im Vorfeld beschäftigt oder ist das alles aus dem Bauch heraus? Immerhin erwähnst du bei den Kämpfen die Namen der Kicks und Schläge.
Ach ja, die Praxis liegt schon eine ganze Ewigkeit zurück. Als Bundeswehrsoldat (Wehrdienst) habe ich damals, glaube ich, mit allem geschossen, was das Waffenlager hergab, auch wenn ich ein unglaublich miserabler Schütze war. Seither habe ich nie wieder eine Waffe angefasst, wobei ich zugeben muss, dass dieses Teufelszeug eine gewisse Faszination auf mich ausübt (wahrscheinlich, weil es so ein Teufelszeug ist).
Und Kampfkunst - aber hallo! Ich gehöre noch der Generation an, die nachts aufgestanden ist, um live einen Boxkampf mit Muhammad Ali in der Glotze anzugucken. Insofern war ich schon früh verdammt gut in Box-Theorie. Was die Praxis angeht - ich war mal eine Zeit lang in einem Ringerverein. War ganz nett, aber für die Männer dort war das Training eigentlich nur die Aufwärmphase für das anschließende gemeinsame Biertrinken. 
Kurz und gut - was Waffen und Kampfkunst angeht: Da recherchiere ich, was das Internet und die Stadtbibliothek hergibt. 

Woher kommt das »99« im Titel?
99 hat in der Zahlenlehre des Frühchristentums die Bedeutung von »Amen«. Und »Amen« ist halt das finale Wort, das Abschlusswort, das als Bekräftigung des bisher Gesagten gilt. (Im Sinne von: »So sei es! «) In Verbindung mit dem Terror-Kampfstoff Smash hat 99  natürlich einen sehr pessimistischen, desillusionierenden, apokalyptischen Charakter. Nicht ganz unpassend für die Serie.

Hattest du beim Schreiben schon Sprecher im Ohr? Oder hast du das auf dich zukommen lassen?
Ganz ehrlich - als ich gehört habe, dass Hörbücher von der Serie produziert werden sollen, dachte ich erst mal: »WOW! GENIAL!«
Weil ich wusste, dass der Verlag Bastei-Lübbe mit exzellenten Hörbuch-Sprechern arbeitet, machte ich mir keine Sorgen, sondern war einfach nur neugierig, was da auf mich zukommen würde …
Als sich dann diese Hochkaräter meine Romane lesend vornahmen, war ich dann nur noch - wie sagt man so schön? - geflasht!

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